Ich judge Leute nicht nach ihrem Geschmack, sondern daran, welche Ladekabel sie besitzen. Ich war neulich das erste Mal bei einer Freundin von der Arbeit zuhause. Als wir kurz davor waren raus zu gehen, um uns etwas zu essen zu holen, ist mir aufgefallen, dass ich nur noch 4% hatte. Ich dachte mir ist ja kein Problem, ich steck es einfach schnell bei ihr ein und in 15 Minuten können wir dann raus. Als ich sie nach einem Ladekabel gefragt habe, musste sie erstmal in einer Box mit ca. 20 Kabeln nach einem suchen. Da wusste ich schon, dass dies nicht gut enden kann. Irgendwann hat sie dann ein 3-Meter-Ladekabel in rosa rausgeholt. Da war es dann vorbei. Schatz ich wollte mein Handy nur kurz anstecken und nicht 20 Minuten auf 3 % warten. Mit dem Ding sitz ich morgen noch da. Am besten ist es noch, wenn so was kommt wie “das funktioniert nicht mehr so gut musst halt mal schauen” WIE SCHAUEN. Jetzt kann ich mich noch dazu legen und dieses Kabel in alle verschiedenen Richtungen drehen. Ich werde nie verstehen, wieso man sich nicht ein normales Schnellladekabel kaufen kann. Es ist viel effizienter und man muss sich nicht nach einem Monat schon wieder ein neues kaufen.

Dies gilt aber nicht nur für Ladekabel sondern auch für unsere Klamotten. Wir haben einen ganzen Kleiderschrank mit Klamotten, welche teilweise schon ausgewaschen oder kaputt sind. Obwohl sie anfangs so großartig und billig waren, sehen sie nach paarmal anziehen schon abgenutzt aus. Die meisten laufen dann in die Innenstadt und finden sich in einem H&M, Zara oder Bershka wieder. Man macht sich keine Gedanken um die Langlebigkeit der Klamotten, denn meistens geht es nur um das Gefühl welches man beim anziehen hat. Um euch aber die Wahrheit näher zubringen handelt es sich bei diesen Marken Fast Fashion Marken. Wir alle haben bestimmt schon mal von Fast Fashion gehört. In diesem Blog möchte ich euch dennoch genauer erklären was Fast Fashion ist und was man tun kann anstatt diese schreckliche Produktion zu unterstützen.

DEFINITION

Fast fashion ist ein Geschäftsmodell der Modeindustrie das günstige und schnelle Mode verspricht. Die Idee ist es schnell und kostengünstig so viel Ware und Produkte auf den Markt zu bringen wie es nur geht. 

AUSWIRKUNGEN

Fast Fashion hat viele negative Auswirkungen auf verschiedene Bereiche in unserem und dem Leben anderer. Hier kann man meistens zwischen diesen zwei Hauptkategorien unterscheiden: Der Umwelt & Ethischen Folgen.

UMWELT

Das Herstellen ist sehr ressourcenintensiv. Die Bewässerung der enormen Flächen, auf welchen Baumwolle angebaut wird, benötigt extrem viel Wasser. Zudem wird für die Herstellung von synthetischen Fasern sehr viel Energie verbraucht. Es kann unter anderem auch oftmals dazu kommen, dass Stoffe eingefärbt werden müssen, was wiederum nicht nur Wasser in Anspruch nimmt, sondern auch dafür sorgen kann, dass schädliche Chemikalien ins Grundwasser gelangen.  

Die meisten Kleidungsstücke werden auch in verschiedenen Ländern hergestellt. Die Produktion von einem T-Shirt zum Beispiel erfolgt in mehreren Ländern: Baumwolle wird beispielsweise in Südamerika angebaut dann weiter in die Türkei transportiert, um diese dann zu Garn und Stoff zu verarbeiten, welcher in China eingefärbt werden kann. In Bangladesch wird dieser Stoff dann genäht und zu einem T-Shirt gemacht und schließlich wird das in Deutschland verkauft. Man kann sagen, dass dieses T-Shirt schon mehr gereist ist ich als ich. Wie man sich vorstellen kann, ist der CO2-Ausstoß hier enorm. 

ETHISCH

Menschen und Arbeiter*innen spielen hier eine große Rolle. Die meisten Brands stellen ihre Klamotten in Entwicklungsländern her, wo die Bevölkerung einen sehr niedrigen Lebensstandard hat. Viele Familien suchen verzweifelt nach Arbeitsstellen, um sich überhaupt durchfüttern zu können. Fast Fashion Brands bitten dann solche Jobs an. Jetzt könnte man sich ja denken oh die helfen den Leuten dort, indem sie Arbeitsplätze bieten. NEIN. Einheimische arbeiten 10 Stunden jeden Tag und verdienen gerade mal 103€ im Monat was weit unter den Lebenshaltungskosten in diesen Ländern liegt. Da das nicht zum Überleben reicht müssen auch Kinder in den Familien mit anpacken. Diese Kinder haben aus diesem Grund weder eine Chance auf irgendeine schulische Ausbildung oder gar eine Zukunft, die anders aussieht als das, was ihre Eltern machen.  

Der Job selbst ist auch sehr gefährlich und bringt viele Risiken mit sich. Man arbeitet oft mit schädlichen Chemikalien, die beispielsweise Krebs verursachen können.

 

Nichts Neues 

Jetzt haben wir über all diese negativen Fakten gesprochen und die meisten fühlen wahrscheinlich Empathie und Mitleid. Aber um ehrlich zu sein wird dies häufig versucht schön zureden oder ganz ignoriert. I mean man kann nicht erwarten, dass die Näherinnen fair bezahlt werden, wenn ein T-Shirt nur 5€ kostet. Man schaut halt gerne weg und möchte diese schreckliche Realität gar nicht wahrhaben. Obwohl ihr wisst, was ihr unterstützt, kauft ihr euch trotzdem Klamotten von dort. Aber weil ihr euch diesen Blog bis hier hin durchlest, heißt es schon mal, dass ihr wenigstens etwas verändern möchtet und das ist der erste Schritt in die richtige Richtung. 

Nun was kann man denn tuen?

Wie am Anfang schon erklärt, häufen sich vor allem durch schnelle und billige Ware immer mehr Klamotten in unserem Kleiderschrank an. Dieses sehen dann am Ende genauso aus wie die Labekabel in der Box meiner Freundin. So viele und nichts davon funktioniert so richtig. Macht es aber nicht viele mehr Sinn einfach von Anfang an in etwas Besseres zu investieren, damit man dies länger benutzen kann? Ich kauf mir doch lieber einen Pulli der eine gute Qualität hat länger hält, aber trage diesen dann auch für die nächsten 2 Jahre.  

Da kommen wir auch schon zum ersten Punkt. 

Nachhaltige Mode

Damit sind Klamotten gemeint die fair und ressourcenschonend hergestellt wurden. Fair bedeutet hier, dass die Mitarbeiter genug Gehalt bekommen und gerecht behandelt werden. Es wird darauf geachtet Materialien, die beispielsweise recycelt oder natürliche Rohstoffe wie Bio-Baumwolle oder Leinen, bei der Herstellung zu verwenden. Außerdem werden die Klamotten nicht erstmal auf Welttour geschickt, sondern werden in wenigen Ländern verarbeitet.  

Wenn ihr mehr über Nachhaltige Brands erfahren wollt und konkrete Beispiele braucht kann ich euch meinen Blog über nachhaltige Klamotten und Schuhe wärmstens ans Herz legen:

Die 5 besten, nachhaltigen Brands perfekt für den kommenden Winter

UGGs & die traurige Wahrheit dahinter: Was wirklich hinter dem Lammfell steckt

Jedoch muss man auch erwähnen, dass nachhaltige Marken, wegen der fairen Herstellung und dem Verwenden von nachhaltigen Materialien, oft teurer sind. Deswegen greifen viele gerne auf andere Möglichkeiten zurück. 

Second Hand

Eine der bekanntesten Möglichkeiten ist hier Second Hand bzw. das Thriften. Durch vintage Klamotten und günstige Preise wird dieses Konzept glücklicherweise immer beliebter. Deswegen gibt es heutzutage auch immer mehr Thrift Stores und Second Hand Läden in Städten. Die Klamotten, die man dort kauft, sind bereits gebraucht aber noch in einem sehr guten Zustand. Dadurch müssen keine neuen Ressourcen benutzt werden, um die Kleidung herzustellen auch die Langlebigkeit eines Produktes wird verbessert.  

Man muss aber nicht zwingend in einen Laden gehen. Noch günstigere Artikel findet man oft auch auf Flohmärkten oder für alle die Online-shopping bevorzugen sind Apps wie Vinted, Kleiderkreisel, eBay Kleinanzeigen auch eine gute Variante. Ich würde mir tatsächlich auch wenn ich nicht umweltbewusst wäre Klamotten dort kaufen, da sie eine der größten Auswahl zu sehr guten Preisen haben.

Also auch wenn ihr beispielsweise ein Teil von einer Fast Fashion Brand kaufen möchtet, könnt ihr einfach schauen ob ihr dieses nicht auch Second Hand findet. Damit unterstützt ihr nämlich nicht mehr den Konzern selbst indem ihr von deren Website oder im Laden einkauft. Ihr gebt das Geld nämlich nur an eine Einzelperson weiter und könnt dann hoffen, dass diese dort nicht wieder einkauft. Dadurch kann die Nachfrage für Fast Fashion sinken.

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